Geschichte

Die Geschichte des Rugby im FC St. Pauli

Die 1970er und 1980er Jahre
Die 1990er Jahre und weitere Erfolge

Die Rugbygeschichte des FC St.Pauli beginnt im Jahre 1933. Zu jener Zeit gab es bereits eine lebendige Rugbyszene in Hamburg mit zahlreichen Mannschaften. Das deutsche Rugby war auch damals kein ernsthafter Konkurrent für den Fußball, doch international ein akzeptierter Gegner von Frankreich und Rumänien, den führenden Nationen auf dem Kontinent.

1933 war auch das Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung. Die neuen Machthaber veranlassten einige renommierte Vereine zu Partnerschaften mit nationalsozialistischen Massenorganisationen, und so ergab es sich, dass die rugbyspielenden Gebrüder Lang aus Heidelberg ihren Verein, den SV St.Georg, wegen ihrer jüdischen Herkunft verlassen mussten. Sie fanden Zuflucht beim FC St.Pauli, wo sie bald neue Anhänger für ihren Sport finden konnten. Schon im April 1933 rief das Präsidium in der Vereinszeitung zur Gründung einer Rugbymannschaft auf, und kurz danach begann die gesamte 6. Herren-Fußballmannschaft, das schönste aller Spiele zu praktizieren.

Unsere Gründerväter erwarben sich im Verein schnell allergrößte Hochachtung. Es waren Männer aus St.Pauli und der Neustadt, vorwiegend mit handwerklichen oder Hafenberufen, bekannt für ihre eiserne Disziplin, kameradschaftlichen Zusammenhalt und den ständigen Zwang zur guten Laune. Bruno Walker war der erste Kapitän, Pille Schulmeister ( er hatte den ersten richtigen Ball unseres Clubs mitgebracht ), Alfred Clauss, Albert Schäfers, Enzo Trautwein, Heinz Cämmerer ( nebenbei Olympiazweiter im Kanu 1936 ) und Ernst Meya prominente Spieler, Karl Schumacher fungierte als Trainer, und Bauunternehmer Erich Mücke, selbst als Turniertänzer und Motorradrennfahrer erfolgreich, war als Abteilungsleiter der große Motivator und Organisator. Dieses Amt sollte er bis 1973 ausüben.

Sportlich war der Anfang schwer. Es dauerte mehr als ein Jahr bis zum ersten Unentschieden, doch schon in der zweiten Spielzeit der neu organisierten Nordmarkliga ( 1936 hatte noch die Kriegsmarine Kiel gewonnen ) gelang 1937 in zwei hart umkämpften Endspielen gegen den HSV ( 0:0 und 3:0 ) der Gewinn des ersten Meistertitels. Dieser Meisterschaft folgten vor dem Krieg noch zwei weitere 1938 und 1939. Schon in diesen Jahren fand die erste große Auslandstour statt ( 1935 nach Neapel ), der im Laufe der Jahre noch viele folgen sollten.

Die Aufstellung des ersten Spiels unseres Clubs am 3. September 1933 ( 12:19 ) gegen den Eimsbütteler TV ) wird wie folgt überliefert:

01 P.LANG / 02 STROBL / 03 DIGULSKI / 04 VON HEIN / 05 BOLEWSKI / 06 PUSCHITZKI / 07 MÜCKE / 08 ERBST / 09 SCHULMEISTER / 10 HEEGER / 11 PILLER / 12 O.LANG / 13 HERBENER / 14 BRODDE / 15 WALKER ( Kapitän )

Nach dem Krieg

Der Krieg hatte auch bei uns Lücken gerissen, aber den großen Zusammenhalt nicht zerstören können. Schon 1947 begann unsere Mannschaft wieder zu spielen, zunächst gegen Teams der britischen Besatzungsmacht. Die Männer der Vorkriegszeit waren noch aktiv und neue Spieler wurden gewonnen, von denen Ernst Müller und Hans-Alfred Prinzlau ( Sohn eines der Vereinsgründer von 1910 und später Abteilungsleiter 1973 bis 1983 ) die herausragendsten waren. Erstmals wurde auch eine Schülermannschaft ins Leben gerufen, mit später prominenten Spielern wie Heinzi Lührs ( 8 Länderspiele ), Herbert Bruhn, Raupi Klostermeyer und Sabu Reimann, trainiert und betreut von Audi Mewes auf einem Trümmergrundstück an den Großen Bleichen. Während dieser Nachkriegsjahre erwarb sich Erich Mücke große Verdienste um das Hamburger Rugby durch seine unermüdliche Aufbauarbeit auch für andere Clubs. So konnte auch bald wieder um die Nordmarkmeisterschaft gespielt werden, die der FC St.Pauli von 1948 bis 1959 zwölf mal hintereinander gewann.

Mit Beginn der 60er Jahre ergaben sich einige Veränderungen. Mit der SV Polizei Hamburg war ein ernsthafter Gegner herangewachsen, der mehrere Meisterschaften gewinnen konnte. Der letzte Kieler Verein stellte ( bis zu einem Neubeginn Ende der 90er ) den Spielbetrieb ein, so dass aus der Nordmark- die Hamburger Meisterschaft wurde. Wir gewannen eine ganze Generation neuer Spieler hinzu, als eine Junioren-Fußballmannschaft des Vereins fast vollständig zum Rugby wechselte. Unter diesen waren mit Horst Wohler ( Hamburgs Rekordnationalspieler mit 30 Länderspielen ), Hans Lübbers, Sahne Lobindzus, Peter Voss, Axel Hilke und anderen viele große Talente, die das Hamburger Rugby für Jahre dominieren sollten.

Die folgenden Jahre waren wegen der Stärke des Polizeiteams und unserer eigenen Probleme sehr wechselhaft. Wir konnten lediglich die Meisterschaften 1961, 1963 und 1964 gewinnen, ehe wir mit den 5 Titeln von 1967 bis 1971 wieder zur alten Dominanz zurückfanden.

In diese Zeit fiel allerdings der bis dahin größte Erfolg unserer Geschichte. Mit einem 9:6-Auswärtssieg beim großen Favoriten SC Neuenheim gelang der Einzug in das Endspiel um die deutsche Meisterschaft in Offenbach. Dieses ging unglücklich mit 0:11 gegen den DSV 1878 Hannover verloren, doch hat die Endspielmannschaft einen bleibenden Platz in unserer Erinnerung:

01 BRUHN Herbert / 02 LÜHRS Heinz ( Kapitän ) / 03 WERNER Harald / 04 KLOSTERMEYER Jörn / 05 MEIDROTT Horst / 06 LOBINDZUS Peter / 07 REIMANN Werner / 08 LÜBBERS Hans / 09 WEGNER Jörn / 10 WEGNER Hans-Hermann / 11 CLAUSS Jens / 12 WOHLER Horst / 13 HANNIG Heiner / 14 HILKE Axel / 15 LOOF Claus

Die 1970er und 1980er Jahre