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Stellungnahme
der FC St. Pauli-Rugbyabteilung
Problem
Für die EM der Frauen im April in Hamburg hatte die FIRA-AER angeordnet,
dass mit Bällen der Größe 4 gespielt wird. Diese Anordnung
wurde als Experiment bezeichnet. Zur Begründung erklärte der
für die Entwicklung des Frauenrugby zuständige Entwicklungsmanager
Pierre Villepreux:
1. Frauen haben nun einmal kleinere Hände.
2. In allen anderen Ballsportarten verwenden Frauen kleinere Bälle.
Bisherige
Übung:
Seit fast 30 Jahren wird in Deutschland und international von Frauen Rugby
gespielt, und zwar mit den normalen Bällen der Größe 5,
wie bei den Männern, den U 19-Junioren, der U 17-Jugend und den U
15-A-Schülern. Die Bälle der Größe 4 legen Spielerinnen
und Spieler beiseite, wenn sie 13 Jahre alt geworden sind.
Stimmen
die Gründe ?
Wir
erkennen an, dass Frauen in der Mehrzahl nicht so groß gewachsen
sind wie Männer. Dass kleinere Bälle jedoch leichter zu handhaben
seien als normale, ist eine Behauptung, die weder von der Sportwissenschaft,
noch von irgendeiner praktischen Erfahrung gestützt wird. Diese Idee
verstehen wir als Ausfluss eines bestimmten Frauenbildes, das wir nur
als rückwärtsgewandt begreifen können.
Nun hat z.B. auch das IOC einige Zeit gebraucht, um zu erkennen, dass
Frauen vom Marathonlauf bis hin zum Eishockey im Sport alles zuzutrauen
ist. Diesen Erkenntnisprozess hat die FIRA-AER offen = sichtlich noch
vor sich.
Bei dem Hinweis auf die anderen Ballsportarten irrt die FIRA-AER leider.
Dies mag im Handball so sein - einem Sport, bei dem man im Gegensatz zum
Rugby den Ball mit einer Hand wirft - von anderen Ballsportarten liegen
uns gegenteilige Auskünfte vor.
Warum
das Ganze ?
Die Gründe, die die FIRA-AER zu ihrem Experiment bewogen haben, liegen
für uns im Dunkeln. Es wäre natürlich zu wünschen,
dass der Verband sich dazu herabließe, diejenigen zu informieren,
zu deren Wohl er nach eigenem Bekunden tätig ist.
Mit
Sicherheit kann jedoch festgestellt werden, dass es keinen konkreten Grund
gibt, den Frauen Kinderbälle zu verordnen. Keines der großen
internationalen Ereignisse im Frauenrugby der letzten Jahre gibt auch
nur den geringsten Anlass für die Vermutung, Frauen seien von Natur
her zu ungeschickt, zu tollpatschig, zu behindert, um vernünftig
mit dem normalen Rugbyball für Erwachsene umzugehen. Selbst wenn
wir z.B. das bewundernswerte Niveau der neuseeländischen Weltmeisterinnen
von 2002 außer Acht lassen und nur unsere eigene, zugegeben auf
viel niedrigerer Leistungsebene spielende Mannschaft betrachten, finden
wir absolut keinen Grund für einen kleineren Ball. Wir mögen
6 von 10 Meisterschaftsendspielen verloren haben, aber kein einziges,
weil der Ball zu groß war.
Ganz im Gegenteil können wir in aller Bescheidenheit feststellen,
dass unsere Frauen Ballfertigkeiten entwickelt haben, auf die wir alle
stolz sein können.
Warum
müssen wir die Sache so ernst nehmen ?
Der Bezeichnung als Experiment müssen wir misstrauen. Der Vertreter
der FIRA-AER hat in Hamburg die Anordnung mit einem ganz entschiedenen
Absolutheitsanspruch vertreten und war keiner Argumentation zugänglich.
Ohne prophetische Gaben können wir mit Sicherheit voraussagen: Die
FIRA-AER wird feststellen, die Spiel der EM hätten bewiesen, dass
Kinderbälle für Frauen besser sind. Wir glauben, davon ausgehen
zu müssen, dass hier schon eine vorgefasste, unverrückbare Meinung
besteht, die mit dem Bewusstsein der allwissenden Weisheit auf Seiten
des Präsidiums der FIRA-AER durchgesetzt werden soll. Dagegen müssen
wir uns jetzt wehren.
Was
spricht dagegen ?
Wir sehen zwei ganz wichtige Gründe:
Erstens würde bei einer zwangsweisen Einführung von Kinderbällen
für Frauen das Ansehen des Frauenrugby schaden nehmen. Das Vorurteil,
Frauen seine von Natur her zu blöd, um richtiges Rugby
zu spielen, erhielte neue Nahrung. Schlechte Leistungen würden nicht
mehr mit mangelndem Engagement oder Leistungsbereitschaft von Spielerinnen,
falschem Training, miesen Schiedsrichtern oder anderen wirklichen Gründen
erklärt, sondern mit dem Ball, der für die kleinen Frauenhände
zu groß sein soll. Für das deutsche Frauenrugby wäre dies
ein deutlicher, nicht zu verantwortender Rückschritt.
Zweitens
ist der FIRA-Plan eine Degradierung unserer eigenen Spielerinnen, die
diese durch nichts verdient haben. Ganz im Gegenteil haben sie über
Jahre hinweg durch einige großartige individuelle oder mannschaftliche
Leistungen unsere Achtung und unsere Zuneigung gewonnen. Seit Gründung
der Mannschaft 1989 haben wir sie stets als vollkommen gleichberechtigt
in jeder Beziehung behandelt und wollen dies auch zukünftig tun.
Wir können mit Freude feststellen, dass wohl jeder bei uns stolz
ist, diese Spielerinnen bei uns im Club zu haben. Wir müssen uns
solidarisch mit ihnen gegen diese beleidigende Zurücksetzung wehren.
Fazit:
Der
FC St.Pauli sieht keinen einzigen vernünftigen Grund für eine
zwangsweise Einführung von Kinderbällen im Frauenrugby. Wir
betrachten diese Idee der FIRA-AER als Ergebnis eines rückwärts
gewandten, reaktionären, sexistischen Frauenbildes, dass wir als
gesamter Club ablehnen. Wir werden uns energisch gegen die Durchsetzung
dieses Planes wehren.
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