Geschichte – 2

Die 1970er und 80er Jahre: Bundesligaerfolge, Abstieg und Wiederaufstieg

Die Anfänge
Die 1990 und weitere Erfolge

Mit der Saison 1971/72 begann für das deutsche Rugby mit der Einführung der Bundesliga eine neue Zeit. Wir gehörten dazu, belegten in den ersten 3 Spielzeiten Plätze in der oberen Hälfte und konnten uns über einige Siege gegen die Topclubs aus Hannover freuen. In diesen Jahren waren wir auch Pioniere und spielten als erster deutscher Club in Moskau ( 1971 ) und in Argentinien ( 1973 ). Einige junge Männer aus den eigenen Reihen – Werner Porky Cohrs, Michael Jürgens, Dennis Morgan – und Männer von außerhalb – Lothar Macht vom SC Varel, Ulrich Mehm und Heiner Schrader von Hannover 78 – verstärkten dabei unser Team. Nebenbei gewann unsere 2. Mannschaft 1973 eine weitere Hamburger Meisterschaft. Doch führte das Älterwerden unserer Leistungsträger und eine gewisse Nachlässigkeit in der Nachwuchsarbeit dazu, dass wir den hohen Leistungsstandard nicht halten konnten. Die Saison 1974/75 brachte nicht nur den letzten Platz und den Abstieg, kurzfristig waren wir auch negativer Rekordhalter mit unserem 3:102 gegen Victoria Linden.

Wieder zu hause in der – nunmehr zweitklassigen – Hamburger Meisterschaft kämpften wir mit den Schwierigkeiten des Umbruchs. Einige überdurchschnittlich begabte jüngere Spieler – Jörn Michau, Peter Sommerfeld, Palle Dressler, Herbert Dietzel und Andreas Löffelmann ( später bei 97 Linden mehrfacher Nationalspieler ) – kamen ins Team, doch fehlte es uns insgesamt an Beständigkeit. Die Meisterschaft war in den folgenden Jahren so spannend wie selten zuvor. Exiles, HSV und HRC gewannen den Titel, wir selbst behaupteten die geliebte Trophäe in den Jahren von 1976 bis 1988 noch 8 mal. Die Rugbyabteilung kämpfte in diesen Jahren mit erheblichen finanziellen Problemen und den schicksalhaften Wendungen des vom Profifußball geprägten Hauptvereins.

1988 fielen zwei wichtige Entscheidungen. Die Männermannschaft war eine starke Einheit, angeführt von Jörn Michau als Kapitän und Spielertrainer und ex-Nationalspieler Thomas Vogt ( früher HRK und SC Frankfurt 1880 ), mit einer fast vollständig aus der Jugendarbeit erwachsenen Mannschaft der Jahrgänge 1964 bis 1966, darunter die Junioren-Nationalspieler Ralph Paukstat und Jörg Peretzki sowie Hans-Joachim Dicki Nürnberg und Mathias Putzke als große Persönlichkeiten. Diese Männer trauten sich und gewannen die Aufstiegsrunde zur Bundesliga deutlich vor Germania List und dem Berliner SV 92. Die Tragweite der anderen Entscheidung konnte noch niemand vorhersehen: der Abteilungsleiter beschloss die Gründung einer Frauenmannschaft und begann ernsthaft, Spielerinnen zu suchen.

In der Bundesliga konnten wir uns nicht endgültig behaupten. Wir gewannen sehr gute Männer hinzu: Paul McGuigan ( vorher Orrell, Wigan XIII und SV Polizei ), Michael Fahrenbach ( Frankfurt 1880 ), und die später bei Victoria Linden zu Nationalspielern gewordenen Rainer Plewe ( HRC ) und Frank Nagel ( HSV ). Doch die Spielergebnisse waren sehr unterschiedlich, unter anderem überboten wir unseren Rekord von 1975 mit einem 0:113, wieder gegen Victoria Linden. Letztlich verloren wir unseren Platz in der 1. Liga nach 2 Jahren durch die einsetzende Kette von Ligareformen, mit denen der DRV die Probleme des deutschen Rugby zu lösen versuchte. Ein Trost in dieser Zeit war der erste Gewinn des Ligapokals. Auswärts beim Post SV Stuttgart gelang 1991 ein 9:6-Sieg. Hier das Siegerteam:

01 PLEWE Rainer / 02 NÜRNBERG Hans-Joachim / 03 MEINERS Günter ( eingewechselt: OEHLMANN Bernd ) / 04 BEHNCKE Dirk / 05 POGGE Tobias ( eingewechselt: FAHRENBACH Michael / 06 WEGNER Christoph / 07 DRESSLER Palle ( eingewechselt: PUTZKE Matthias ) / 08 PAUKSTAT Ralph / 09 VOGT Thomas / 10 MICHAU Jörn ( Kapitän ) / 11 MÜLLER Kay ( eingewechselt: Nils Zurawski ) / 12 PERETZKI Jörg / 13 EPSTEIN Daniel / 14 NAGEL Frank / 15 RÖTHIG Michael

Zwei weitere Ligapokal-Endspiele gingen in den folgenden Jahren verloren – 1993 bei der RGH, 1994 zu Hause gegen BSC Offenbach – und die unterschiedlichen Qualifikationsrunden brachten uns mal mit den Spitzenteams des Nordens, dann wieder mit schwächeren Teams zusammen.

Die 1990er Jahre: Jugendarbeit, die Frauenmannschaft und weitere Erfolge

Unter den Nachwuchsmannschaften des Clubs hatte sich währenddessen diejenige der Jahrgänge 1978/79 als besonders erfolgreich erwiesen. Angefangen in der Altersklasse Schüler D war sie ein respektierter Gegner der etablierten deutschen Spitzenclubs. Erstmals bis zu den A-Schülern gemischt spielend mit der überragenden Ivana Zivojinovic an der Spitze wurden sie deutsche Vizemeister 1991 und 1993 und beeindruckten beim berühmten Bath RFC 1992. Bis in die letzte Junioren-Spielzeit war dieses Team, angeführt von Nils Timmann, später respektierter Kapitän der Herrenmannschaft, und Friedrich Michau, bei der Junioren-WM 1998 Kapitän Deutschlands und später trotz unserer Zweitklassigkeit Nationalspieler für St.Pauli, mit den 3 Alschami-Brüdern aus dem Libanon und Spielern aus Marokko, Serbien, Polen, Finnland, Frankreich und Kroatien ein Aushängeschild unseres Clubs.

Inzwischen hatte unsere Frauenmannschaft eine unerwartete Entwicklung genommen. Das Werben des Präsidenten bei der Bereitschaftspolizei und unter Freundinnen und Verwandten von Spielern hatte ein Team zusammengebracht, das im Frühjahr 1989 mit dem Training begonnen hatte. Während der Sommerferien übernahm Ralph Paukstat das Traineramt, das er bis 1999 ausüben sollte. Das Team eiferte in Zusammenhalt und Feierwütigkeit unbewusst den Gründervätern von 1933 nach und verbesserte sich ständig. Trotz alledem war es eine große Überraschung, als im Hamburger Endspiel von 1995 ein grandioser 21:9-Sieg über den großen SC Neuenheim gelang. Dies bedeutete einen kaum zu beschreibenden Popularitätsgewinn der Frauenmannschaft in der ganzen St.Pauli-Gemeinde. Hier die Heldinnen dieses denkwürdigen Tages:

01 SCHNEIDEWIND Olga / 02 HARTH Christa / 03 KLEINERT Claudia / 04 PETSCHKE Angela ( Kapitän ) / 05 WENNER Petra / 06 WEGNER Alexandra / 07 JÖRN Nicola / 08 STEINMETZ Corinna / 09 BOHNE Kirsten / 10 TUSCHWITZ Nicola / 11 REEH Natalie / 12 DRACHENBERG Petra / 13 ZIVOJINOVIC Ivana / 14 JÄHNIG Ursula / 15 WIEDEMANN Susanne

Die 1990 und weitere Erfolge